Waagen

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Eigentlich stehen Waagen in dem Ruf, beim Abnehmen zu helfen.

Doch in der Praxis werden sie häufig zum einschüchternden Diktator der Abnehmwilligen.

Jede kleine Änderung wird mit starken Emotionen wahrgenommen. Bei einem Abnehmerfolg hängt der Himmel voller Geigen. Doch wenn ein wenig mehr Gewicht angezeigt wird, kommt es schnell zu ausgeprägtem Abnehmfrust, der dann seinerseits zum Übergewicht beiträgt.

Dabei zeigt die Waage mitnichten nur die Fettpolster an. Das sollte sich inzwischen auch schon herumgesprochen haben, doch das Frust-Gefühl entsteht häufig trotzdem.

Daher hier noch einmal ganz deutlich:

Außer dem Gewicht der Fettpolster zeigt die Waage folgende veränderliche Werte an:

·         Muskelmasse: Steigt durch Kraftsport deutlich an. Mehr Muskeln sind sehr erfreulich zum Abnehmen (siehe Seite 265).

·         Wasser: Hängt von der Trinkmenge und dem Salzgehalt des Essens ab. Schon eine salzreiche Mahlzeit kann bis zu zwei Kilo Gewichtsunterschied bringen (siehe Seite 202).

·         Wassereinlagerungen durch Hormonstörungen: Bei vielen Frauen lagert sich vor der Periodenblutung vorübergehend Wasser im Bauchraum an. Der Gewichtsunterschied kann mehrere Kilogramm betragen.

·         Glykogen-Speicher: Wenn die Glykogenspeicher, beispielsweise durch einen Ruhetag, aufgeladen werden, kann das einen Gewichtsunterschied von bis zu drei Kilogramm ergeben (siehe Seite 56).

 

Schwankungen von drei und mehr Kilogramm können also geschehen, ohne dass auch nur ein Gramm Fett hinzugekommen ist oder verloren wurde.

Tägliches wiegen oder wiegen zu unterschiedlichen Tageszeiten ist also relativ sinnlos und kann erheblich stressen. So häufige Wiegeintervalle machen nur Sinn, wenn man erfahren will, wie der Körper auf verschiedene Situationen reagiert. Doch man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass Schwankungen häufig ganz andere Gründe haben als Änderungen bei der Fettmasse.

Zur Verlaufskontrolle des Abnehmerfolgs kann man sich einmal in der Woche wiegen. Am besten immer am gleichen Tag, morgens vor dem Frühstück und nach dem ersten Toilettengang. Die Bekleidung sollte in etwa gleich schwer sein.

Vor der Menstruation brauchen Frauen über eine Gewichtzunahme nicht erschrecken, denn die ist normal.

Auch andere Schwankungen können auftreten, wie oben beschrieben, selbst wenn man sich nur einmal in der Woche wiegt.

Wer einen dicken Bauch hat, kann zusätzlich zum Wiegen auch den Taillenumfang messen. Der Taillenumfang wird bei leichter Ausatmung etwa zwei Finger breit über dem Bauchnabel gemessen (siehe Seite 19).

Körperfettwaage - Körperanalysewaage

Weil die reine Gewichtsmessung so vielen Schwankungen unterworfen ist, die nichts mit dem Fett zu tun haben, wurden Körperfettwaagen erfunden.

Es gibt kleine Körperfettwaagen, die man in die Hand nimmt, und die nicht das Körpergewicht ermitteln.

Außerdem gibt es erweiterte Personenwaagen, die zusätzlich zum Gewicht den Körperfettanteil messen. Körperanalysewaagen messen außerdem den Muskelanteil, den Wasseranteil und diverse andere Werte. Auf diese Waagen muss man sich barfuß stellen, damit die Körperfett-Messung funktioniert.

Das  Prinzip dieser Waagen ist  die Bioelektrische Impedanzanalyse  (BIA), zumindest bei Qualitätsgeräten. Bei dieser Technik wird ein schwacher Wechselstrom durch den Körper geschickt. Je nachdem wie hoch der Widerstand und die Phasenverschiebung sind, ist die Zusammensetzung der Körpersubstanzen unterschiedlich.

Der Fettgehalt des Körpers wird mithilfe von komplexen Formeln ermittelt, die auch Gewicht, Größe, Alter und Geschlecht berücksichtigen.

So weiß man immer, ob man tatsächlich Fett verliert oder womöglich Muskelmasse.

Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Ist auch leider nur zum kleinen Teil wahr.

Die Mess- und Berechnungsmethode BIA ist prinzipiell störanfällig. Bei den meisten Geräten haben die Ergebnisse mit der Realität nichts gemeinsam. Man könnte den Fettgehalt genau so gut raten oder einfach anhand der Gewichts- und Größen-Angaben per Faustformel berechnen. Genau das geschieht auch bei vielen billigen Körperanalysewaagen. Anhand des BMIs und einigen Zusatzangaben wird der Körperfettanteil geschätzt. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass eine Körperanalysewaage den Körperfettanteil anhand des BMIs berechnet, sind zwei Fußplatten, auf die man sich stellen muss, anstelle von vier Platten.

Nur hochwertige Körperfettwaagen oder Körperanalysewaagen bringen einigermaßen sinnvolle Ergebnisse. Auch bei diesen Geräten leiden die Messergebnisse unter den prinzipiellen Schwächen der Technik. Man kann die Werte jedoch nutzen, um den Abnehmverlauf zu verfolgen.

Brauchbare Körperanalysewaagen werden vor allem im Profi-Bereich angeboten. Solche Geräte kosten meist deutlich über tausend Euro und sind in Arztpraxen oder Fitnessstudios zu finden.

Hersteller, die gute Profi-Körperanalysewaagen produzieren, bieten häufig auch gute Privatgeräte an. Diese guten Körperanalysewaagen kosten weniger als die Profigeräte, sind aber immer noch vergleichsweise teuer.

Die meisten Billig-Körperanalysewaagen bringen so unzuverlässige Werte, dass sie nur zur Verwirrung beitragen und nichts nützen.

Auch bei guten Körperanalysewaagen muss man einige Regeln beachten, um sinnvolle Ergebnisse zu erhalten.

Man sollte sich immer zur gleichen Tageszeit wiegen, am besten morgens vor dem Duschen und dem Frühstück.

Feuchte Haut verfälscht nämlich die Ergebnisse. Daher bekommt man auch bei verschwitzter Haut falsche Ergebnisse. Auch wenn man Flüssigkeit getrunken hat, wird ein anderer Körperfettanteil angegeben als ohne zu trinken.

Manche Experten empfehlen auch die Wiegung vor dem Abendessen, weil dann der Flüssigkeitshaushalt besonders ausgeglichen sein soll.

Das Messprinzip der meisten Körperanalyse-Waagen berücksichtigt vorwiegend die untere Körperhälfte. Da man barfuß auf vier Elektroden steht, fließt der Strom durch die Beine und den Unterleib. Der Oberkörper und die Arme werden kaum vom Strom durchflossen und werden daher nicht in die Berechnung mit einbezogen. Vom Fettgehalt des Unterkörpers wird durch Angaben wie Geschlecht, Größe und Alter auf die Verhältnisse im Oberkörper geschlossen. Die Messergebnisse kann man daher bestenfalls als Hochrechnung bezeichnen.

Menschen mit einer untypischen Fett-Verteilung bei Unter- und Oberkörper erhalten durch die Hochrechnungsmethode zwangsläufig falsche Ergebnisse.

Manche Körperanalysewaagen haben nicht nur Elektroden für die Füße, sondern zusätzliche Elektroden für die Hände. Dadurch wird sowohl der Unterkörper als auch der Oberkörper vom Strom durchflossen. Die Messergebnisse werden dadurch erheblich verbessert.

Fettmessung per Calipometrie

Eine klassische Alternativen zur Körperfettmessung ist die Calipometrie, bei der ein Fachmann mithilfe einer Messzange an verschiedenen Körperstellen die Dicke der Fettpolster misst. Obwohl diese Methode sehr archaisch anmutet, gilt sie als deutlich zuverlässiger als die meisten Körperanalysewaagen, zumindest wenn sie fachmännisch durchgeführt wird.



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